Aufgrund von Stadtratsbeschlüssen zur Förderung des Einsatzes der Solarenergie bei der Landeshauptstadt München ist generell die Einsatzmöglichkeit einer Photo-voltaikanlage in Absprache mit den Hochbauabteilungen HZ1 und H8 zu prüfen. Die Realisierung erfolgt entsprechend den Vorgaben von Hochbau 8. Planung, Bau und Betrieb der Photovoltaikanlagen sind so durchzuführen, dass Standsicherheit und Brandschutz der Photovoltaikanlagen dauerhaft sichergestellt sind. Das Bauproduktengesetz sowie die bautechnischen Regeln sind einzuhalten. Die Planung, Montage und Inbetriebnahme einer PV-Anlage ist auf der Grundlage der DINVDE0100-712 „Solar-Photovoltaik-(PV)-Stromversorgungssysteme“ und der RAL-GZ 966 auszuführen. PV-Module müssen mit den Anforderungen der entsprechenden Betriebsmittelnor-men übereinstimmen. Die Standards DIN EN 61215 (kristalline Module) und DIN EN61646 (Dünnschicht-Module) legen die Anforderungen für die Bauarteignung und Bauartzulassung fest. Zusätzlich müssen die PV-Module über die elektrische Sicherheit nach Schutzklasse II verfügen und den Sicherheitsstandard nach DIN EN61730 erfüllen. Die Wechselrichter müssen den Sicherheitsanforderungen nach DINEN 62109-1 entsprechen. Es dürfen nur Steckverbinder nach DIN EN 50521 (VDE 0126-3) und DIN EN 62852 (VDE 0126-300) verwendet werden. Der Aufbau der Photovoltaikanlage muss dem Muster-Übersichtsschema in Anlage A10 entsprechen. Überspannungsschutzeinrichtungen und Sicherungsautomaten sind mit einem Fernmeldekontakt auszurüsten. Die Kontakte sind auf eine Klemmleiste zu verdrahten und auf die städtische ZLT zu schalten. Unabhängig von einem im Wechselrichter integrierten DC-Freischalter soll ein zusätzlicher DC-Freischalter möglichst nah am Solargenerator platziert werden. Wechselrichter sind mit einem potentialfreien Relaisausgang (Meldekontakt) für die Signalisierung einer Störmeldung auszustatten. Für die Fernüberwachung und Fernwartung ist der Wechselrichter mit einem WEB-Server auszustatten. Die Kommunikation zwischen WEB-Server und ZLT (Fernüberwachung) erfolgt über 10/100 Mbit/s Ethernet. Beim Einbau der Wechselrichter sind die Montagevorgaben der Hersteller einzuhalten (z. B. Montagabstände aufgrund von Wärmelasten). Für transformatorlose Wechselrichter ist eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) vom Typ B mit integriertem Meldekontakt für die Fernüberwachung vorzusehen. Zur Erfassung von elektrischen Messgrößen (Wirkenergie, Momentanleistung, Phasenstrom, Phasenspannung) ist ein Universalmessgerät (Netzanalysator) der Firma Janitza Typ UMG 96RM-E (Einbaugerät) oder Janitza Typ UMG 604E Pro einzubauen. Das Messgerät wird über eine Modbus TCP/IP Schnittstelle an die übergeordnete zentrale Leittechnik angebunden. Für den Anschluss des Netzanalysators ist im AC-Schaltschrank eine Netzwerkdose Kat 7 auf einer Hutschiene vorzusehen. Die Parametrierung des Universalmessgerätes (Vergabe von IP-Adresse, Subnet und Gateway) erfolgt in Absprache mit Hochbau 81. Im AC-Schaltschrank ist ein elektronischer Wirkenergiezähler zur Ansteuerung des PV-Displays vor Ort und für die Erfassung des Gesamtenergieertrages (kWh) der PV-Anlage zu installieren. Die Ansteuerung des Displays erfolgt in Abhängigkeit der erzeugten Wirkenergie über einen Impulsausgang (So-Schnittstelle). Die Impulsfrequenz (Imp./kWh) dieser Schnittstelle ist entsprechend der Ansteuerung des PV-Displays auszulegen. Für die Fernüberwachung sind die Leitungen der Störmeldungen und Messdatenübertragung an einer Übergabeklemmleiste im AC-Schaltschrank durch die PV-Anlagen-Errichterfirma aufzulegen und zu dokumentieren. Werden übergeordnete Monitoringgeräte für die Steuerung der PV-Anlage vorgesehen (z. B. Webbox oder Reducerbox), so sind diese ebenfalls mit einer Modbus-IP-Schnittstelle auszustatten und in das technische Netzwerk einzubinden. An deutlich sichtbarer Stelle (z. B. Im Eingangsbereich) ist ein PV-Display mit LCD-Anzeige anzubringen. Es sind die momentane Leistung (W), der Gesamtenergieer-trag (kWh) und die CO2-Vermeidung (kg) darzustellen. Die Visualisierung ist mit HZ1und H8 abzustimmen. Standsicherheit: Neben dem Nachweis der Tragfähigkeit des Daches unter Berücksichtigung der zusätzlichen Lasten aus der PV-Anlage und des Nachweises der Standsicherheit hinsichtlich der örtlich anzusetzenden Wind- und Schneelasten ist auch ein statischer Nachweis für die PV-Unterkonstruktion zu führen. Außerdem sind Nachweise zur Lagesicherheit zu erbringen. Dabei muss die Anlage gegen Abheben und Umkippen als auch gegen Verschieben ausreichend gesichert sein. Verwendbarkeitsnachweis: Nicht geregelte Bauprodukte dürfen nur dann verwendet werden, wenn gemäß §18 MBO eine allgemeine Bauaufsichtliche Zulassung durch das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) oder gemäß §19 MBO ein allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis oder nach §20 MBO eine Zustimmung im Einzellfall durch die Oberste Bayerische Baubehörde vorliegt.Die baulichen Anforderungen des Brandschutzes müssen erfüllt werden. Abstimmungen mit der Bauaufsichtsbehörde und der örtlichen Feuerwehr sind ebenso zu berücksichtigen, wie die Regelungen in der BayBO und in der Leitungsanlagen-Richtlinie (LAR). Die Photovoltaikanlage muss in die Blitzschutzanlage des Gebäudes einbezogen werden. Die Blitzschutzanforderungen der BayBO, sowie die geltenden Blitzschutz-Normen und die Normen zur elektrischen Sicherheit müssen berücksichtigt werden. Die PV-Anlage muss in Abstimmung mit der Branddirektion München, Abteilung Blitzschutz im Schutzbereich und unter Beachtung des entsprechenden Trennungsabstandes angeordnet werden. Bei der Leitungsverlegung ist die Fläche für induktive Einkopplungen möglichst klein zu halten. Das Beiblatt 5 der DIN EN 62305-3 „Blitz- und Überspannungsschutz für Photovoltaik-Stromversorgungssysteme“ ist anzuwenden. Die PV-Anlage ist für Netzparallelbetrieb auszulegen und rechtzeitig bei den SWM zur Vorbereitung des Netzanschlusses und des zugehörigen Vertrages anzumelden. Es ist entweder das Messkonzept MK A1 nach VBEW für Volleinspeisung (LHM übergibt Gebäude an Betreiber) oder das MK A3 für Überschusseinspeisung (LHM betreibt das Gebäude selbst) anzuwenden. Durch den Einbau eines Netz- und Anlagenschutzes (NA-Schutz) kann die PV-Anlage bei unzulässigen Spannungs- und Frequenzwerten vom Netz abgeschaltet werden. Hierzu gelten mehrere Anwendungsregeln:
a) „Technische Regeln für den Anschluss von Kundenanlagen am Niederspan-nungsnetz und deren Betrieb (TAR Niederspannung)“ (VDE-AR-N 4100).
b) „Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz“ (VDE-AR-N 4105) (für Anlagen < 135 KW).
c) „Technische Regeln für den Anschluss von Kundenanlagen an das Mittelspannungsnetz und deren Betrieb (TAR Mittelspannung)“ (VDE-AR-N 4110) (für An-lagen ≥ 135 KW).
Darüber hinaus ergeben sich in Abhängigkeit der Summe der maximalen Scheinleistungen aller Erzeugungsanlagen und Speicher am Netzanschlusspunkt ∑SAmax für den NA-Schutz folgende Bedingungen:
• ∑SAmax ≤ 30 kVA: Zentraler NA-Schutz am zentralen Zählerplatz oder dezentral in einer Unterverteilung oder integrierter NA-Schutz im Wechselrichter.
• ∑SAmax > 30 kVA: Zentraler NA-Schutz am zentralen Zählerplatz.
PV-Anlagen mit einer Leistung bis 30 kWp müssen mit einer dauerhaften Einspeise-reduzierung auf 70 % oder mit einem Rundsteuerempfänger ausgestattet werden. Bei PV-Anlagen von 30 kWp bis 100 kWp erhalten die SWM einen direkten fernwirktechnischen Zugriff auf die Einspeisereduzierung. Bei PV-Anlagen über 100 kWp erhalten die SWM einen direkten fernwirktechnischen Zugriff auf die Einspeisereduzie-rung und zusätzlich eine Istwertübertragung der eingespeisten Leistung.